Faktencheck Gesundheit

Die Pressereferentin des DHV, Dr. Edith Wolber,  äußert sich hier über die aktuellen Zahlen zu den regionalen Unterschieden bei der Perinatalsterblichkeit und beim Kaiserschnitt. Über die angegebenen Links kommt man zu den verschiedenen Regionen.

Faktencheck Gesundheit

Datengrundlage des ersten Faktenchecks „Regionale Unterschiede“ ist die fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik (DRG-Statistik).

Für den ersten Faktencheck „Regionale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung“ hat das IGES Institut öffentlich zugängliche Daten ausgewertet.

Die Perinatalsterblichkeit umfasst Totgeborene mit einem Geburtsgewicht von mindestens 500 g sowie kindliche Todesfälle bis zum 7. Tag nach der Geburt. Perinatale Sterbefälle gelten als vermeidbare Todesfälle, die durch Vorsorge sowie eine angemessene medizinische Versorgung während und nach der Geburt verringerbar sind.
Um die Qualität der Versorgung von Früh- und Neugeborenen zu sichern, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Qualitätsanforderungen an Krankenhäuser gesetzlich festgelegt. Danach werden Krankenhäuser nach ihrem Spezialisierungsgrad für Problemfälle in vier Stufen unterteilt: Die höchstmögliche medizinische Versorgung erfolgt in einem sog. „Perinatalzentrum Level 1“. Dort sollen z. B. Frühgeborene mit einem zu erwartenden Geburtsgewicht von unter 1.250 g zur Welt kommen. Geringere Spezialisierungsgrade haben die „Perinatalzentren Level 2“ sowie Kliniken mit perinatalem Schwerpunkt. Schließlich gibt es noch die Geburtskliniken ohne spezialisierte Versorgungsangebote und ohne angeschlossene Kinderklinik, die nur für Geburten ab der 36. Schwangerschaftswoche ohne zu erwartende Komplikationen vorgesehen sind – dies trifft auf die meisten Geburten zu.
Bei Risiken wie z.B. Beckenendlage, Mehrlingen oder Schwangerschaftsdiabetes und bei zu erwartender Frühgeburt sollten werdende Mütter eine spezialisierte Klinik aufsuchen, um bei Problemen von Spezialisten betreut werden zu können. So wird die risikoreiche Verlegung z.B. eines kleinen Frühgeborenen in eine Spezialklinik schon im Vorfeld vermieden.
Von 2005 bis 2009 lag die Perinatalsterblichkeit im Bundesdurchschnitt bei 545 je 100.000 Lebend- und Totgeborene, das Risiko betrug also ca. 0,5%.

https://faktencheck-gesundheit.de/regionale-unterschiede/neugeborenensterblichkeit/

 

Der Anteil von Kaiserschnitten an allen Krankenhausgeburten hat in Deutschland von etwa 17% im Jahr 1994 auf über 31% im Jahr 2009 zugenommen (GBE 2011a). In anderen Industrieländern wird eine ähnliche Entwicklung beobachtet (GBE 2011b).
Die Geburtshilfe unterscheidet zwischen absoluten und relativen Indikationen für eine Schnittentbindung. Eine absolute Indikation liegt vor, wenn Krankheiten der werdenden Mutter bzw. des Fötus oder geburtshilfliche Komplikationen oder Anomalien das Leben oder die Gesundheit von Mutter oder Kind gefährden. Beispiele sind etwa die vorzeitige Plazentalösung oder eine Entzündung der Eihäute (Amnioninfektionssyndrom). Darüber hinaus gibt es eine größere Zahl von relativen Indikationen, bei denen eine Abwägung vorgenommen werden muss, ob eine vaginale Geburt möglich ist oder ob durch eine Schnittentbindung eine wesentliche Risikominderung erzielt werden kann. Beispiele für solche relativen Indikationen sind die Beckenendlage, Mehrlingsschwangerschaften oder vorangehende Kaiserschnittentbindungen. Nach Schätzungen der Fachgesellschaft liegt bei etwa 90% aller Kaiserschnitte eine relative Indikation vor (DGGG 2010).
Mit der Zunahme der Kaiserschnittentbindungen in den Industrieländern geht eine Diskussion in den Fachkreisen der Hebammen und Geburtshelfer über den Stellenwert dieses Eingriffs sowie über die Zulässigkeit von sog. “Wunschkaiserschnitten“ einher (Schücking, 2004; DGGG 2010). Bei letzteren fehlt auch die relative geburtshilfliche Indikation zur Schnittentbindung. Stattdessen wird die Vermeidung von Risiken und möglichen Nachteilen der vaginalen Geburt – bspw. Schädigungen des Beckenbodens mit der Gefahr späterer Inkontinenz – oder auch der Vorteil der Planbarkeit der Geburt als Legitimation angeführt (Al-Mufti et al. 1996).
Auch bei Kaiserschnitt-Operationen können für die Mutter Risiken und Komplikationen, auch bei Folgeschwangerschaften, auftreten  (DGGG 2010). Für das Kind besteht bei einer Kaiserschnittentbindung ein höheres Risiko, ein Atemnotsyndrom zu entwickeln (Hansen et al. 2007). Diese seltene Komplikation erfordert i.d.R. eine stationäre Behandlung des Kindes. In der Schweiz wird ein Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Kaiserschnittrate und einem parallelen Anstieg der Zahl von stationären Behandlungen von Kindern mit einem Atemnotsysndrom diskutiert (Roth-Kleiner 2007).

https://faktencheck-gesundheit.de/regionale-unterschiede/kaiserschnitte/

 

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