Deutliche Unterstützung für Hebammen aus Nordelbien

Berlin (nr/frb). Der Bischofsbevollmächtigte der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche im Sprengel Schleswig und Holstein, Gothart Magaard, hat am Mittag (30. Mai 2011) in Berlin ein von 22 193 Bürgerinnen und Bürgern unterzeichnetes Schreiben an den Wirtschaftsminister und Vorsitzenden der Bundes-FDP, Dr. Philipp Rösler, übergeben.

Mehr als 22 000 Unterschriften an Philipp Rösler übergeben

Der Termin für die Übergabe war noch während der Amtszeit Röslers als Gesundheitsminister vereinbart worden. Für das Gesundheitsministerium war Staatssekretärin Ulrike Flach anwesend. In dem Papier macht die Nordelbische Kirche gemeinsam mit den Hebammenverbänden Schleswig-Holstein und Hamburg auf die schwierige Lage der freiberuflichen Hebammen aufmerksam und fordert zügige Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen.

Gothart Magaard dankte Rösler für die Bereitschaft, die Unterschriftenpersönlich entgegenzunehmen und drückte die Hoffnung aus, dass das Anliegen der Nordelbischen Kirche und der Hebammenverbände auch von seinem Nachfolger im Bundesgesundheitsministerium, Daniel Bahr (FDP), wahrgenommen werde. „In nur einem Monat haben sich mehr als 22 000 Menschen unser gemeinsames Anliegen durch Unterschriften zu Eigen gemacht. Wir bitten Sie, mit allem Nachdruck für eine schnelle Verbesserung der Rahmenbedingungen für freiberufliche Hebammen einzutreten.“ Hebammen würden einen entscheidenden Beitrag bei der Geburt leisten. „Das muss unserer Gesellschaft mehr wert sein!“, so der Bischofsbevollmächtigte.

Dr. Philipp Rösler bedankte sich für das gemeinsame Engagement von Hebammenverbänden und Nordelbischer Kirche. Er sicherte zu, dass sich das Bundesgesundheitsministerium um die wirtschaftliche Situation der Hebammen kümmern werde. Allerdings gelte es, vor Verbesserungen beziehungsweise Veränderungen Daten auszuwerten. „Wir haben ein Gutachten zur Versorgung und Vergütungssituation in der außerklinischen Geburtshilfe in Auftrag gegeben. Auf der Basis der Ergebnisse werden Verbesserungen der wirtschaftlichen Situation erarbeitet“, so Rösler.

Margret Salzmann, Vorsitzende des Hebammenverbandes Schleswig-Holstein,verwies darauf, dass in Schleswig-Holstein mittlerweile ein Drittel aller freiberuflich geburtshilflich tätigen Hebammen diese Tätigkeit aus finanziellen Gründen aufgeben mussten. „In der gesamten Bundesrepublik Deutschland stellen immer mehr Hebammen die Geburtshilfe ein, weil sie von ihrem Einkommen nicht mehr leben können“, so Salzmann. Sie appellierte an die Politiker und Krankenkassenverbände, schnellstmöglich die Arbeitsbedingungen für Hebammen zu verändern, „damit“, so Salzmann, „der alte und ehrbare Beruf ‚Hebamme‘ für Frauen und ihre Familien erhalten bleibt.“

Hintergrund der Unterschriften-Aktion ist die drohende Unterversorgungvon Frauen und Kindern unter der Geburt durch freiberufliche Hebammen. Durch die drastische Erhöhung ihrer Berufshaftpflichtversicherung im letzten Jahr sind diese in ihrer Existenz bedroht. Bei einem durchschnittlich zu versteuernden Jahreseinkommen von 14.000 Euro liegt diese seit dem 1. Juni 2010 bei 3.689 Euro. 1981 waren dies noch 30,68 Euro jährlich und im Jahr 2007 rund 1.200 Euro.

„Uns als Kirche ist nicht gleichgültig, wie Kinder in unsererGesellschaft leben, aber ebenso wenig ist es uns gleichgültig, wie Kinder ins Leben hinein kommen“, erklärte Gothart Magaard. Gemeinsam mit Ärzten und anderen Fachleuten würden Hebammen, so gut es Menschen möglich sei, dafür sorgen, dass der Start ins Leben gelinge. Dies gelte für Entbindungen im Krankenhaus ebenso wie bei Hausgeburten auf den Halligen und Inseln. Magaard betonte: „Jetzt muss zügig und bundesweit eine Lösung gefunden werden, wenn uns die Versorgung von jungen Müttern und Vätern in dieser so existenziellen Lebensphase wirklich am Herzen liegt.“

Die Nordelbische Kirche hatte die Unterschriften-Aktion gemeinsam mitden Hebammenverbänden Schleswig-Holstein und Hamburg am 6. Dezember letzten Jahres gestartet und bis zum 6. Januar 2011 durchgeführt. Aus ganz Schleswig-Holstein und Hamburg, aber auch bundesweit hatten sich Menschen daran beteiligt.

Norbert Radzanowski
Pressesprecher der Nordelbischen Kirche
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